Virtuelle Städtliführung – Syt er öpper?

Ansicht des Schlosses um 1910. Das Automobil in der Bildmitte gehörte den Schlossbewohnern und war lange Zeit weit und breit das einzige in Greifensee. Der «Maage-Heiri» war nicht nur Kleinbauer, sondern erfüllte für die Gemeinde viele wichtige Aufgaben als Polizist, Sigrist, Totengräber, Weibel, Abdecker und Brunnenputzer, wofür er jeweils 40 Franken Lohn im Jahr bekam. Früher hatten die Schlossbewohner direkten Seeanstoss. Natürlich war die Benutzung des Badehäuschens den Schlossbewohnern und ihren Gästen vorbehalten. Der grösste Seezugang war seinerzeit von einem dichten Schilfgürtel abgetrennt. Im Sommer unternahmen die Schlossbewohner auch gerne mal einen Ausflug aufs Wasser, selbstverständlich in standesgemässer Kleidung. Für die ärmeren Leute war der See in erster Linie Nahrungsquelle: Vater Brauch präsentiert mit seinen Söhnen stolz seinen Fang. Im Meisterhaus, das eigentlich offiziell Haus Greifenstein heisst, lebte oft nur im Sommer eine reiche Familie. Der Frau sagte man nach, sie sei trotz Reichtum äusserst geizig gewesen. Ihr Mann hingegen engagierte sich stark für das Gemeinwohl. Eine weitere Aufnahme des Meisterhauses (Bildmitte), rechts davon die «Alte Post» und das Pfarrhaus – beide seinerzeit mit verputztem Fachwerk, das heute wieder sichtbar ist. Für die Reichen galt es auch auf einer Landpartie mit Gästen, standesgemäss gekleidet zu sein. Im Hintergrund das Schloss und die Kirche. Die heute frei zugängliche Wiese vor dem Schloss war früher der Schlossgarten, der bis an den See hinunter reichte. Aufnahme von 1913. Im Städtli wohnten auch «Armlüt», die oft einen kleinen Bauernbetrieb führten und daneben in einer Fabrik in Niederuster arbeiteten. Im «Maage-Hus» lebte eine arme Familie, die sich mit einem kleinen Bauernbetrieb und Sammeln von umherliegenden Dingen über Wasser hielt. In vielen Häusern wurde als Nebenerwerb in Heimarbeit gewoben. Aufnahme aus 1920. Beim gemeinsamen Spiel der Kinder verwischten die Standesunterschiede etwas. Im Hintergrund die «Limi» mit Kamin und das heutige Gemeindehaus rechts, ehemals Schulhaus mit Lehrerwohnung. Das sogenannte «Kugelhaus» in der Mitte im Neuaufbau.